Patronat: Elsass (seit 1807); der Blinden, armen Seelen im Fegefeuer, Sterbenden; gegen Augen-, Ohren und Kopfleiden
Odilia kam um 660 im Elsass als Tochter des alamannischen Herzogs Attich angeblich blind zur Welt. Dieser wollte seine Tochter töten lassen, doch die Mutter Bersvinda konnte sie verbergen und in einem Kloster unterbringen. Dort wurde sie von Erhard von Regensburg getauft und erhielt ihr Augenlicht zurück. Ihr jüngerer Bruder brachte sie wieder nach Hause, doch der Vater erschlug ihn im Zorn. Odilia erweckte ihn zum Leben, musste jedoch erneut vor dem cholerischen Vater über den Rhein fliehen und sich in einer Höhle bei Arlesheim verstecken. Jahre später besuchte sie ihren inzwischen schwer erkrankten Vater, und sie versöhnten sich schließlich. Er schenkte ihr die Feste auf der Hohenburg (südlich von Straßburg), wo sie um 690 das später nach ihr benannte Kloster gründete, in dem sie auch ihre Eltern bis zu deren Tod pflegte. Zehn Jahre später entstand ein zweites Kloster, Niedermünster, am Fuße des Berges neben einer heilkräftigen Quelle. Den Platz hatte ihr der Heilige Johannes der Täufer in einer Vision gezeigt.
Odilia starb am 13. Dezember 720 im Kloster Niedermünster und wurde auf dem nachmaligen Odilienberg bestattet. Beide Klöster wurden mehrmals zerstört, wieder aufgebaut und als Augustiner-Chorfrauenstift geführt. Während der Bauernkriege wurden sie 1521 geplündert. Nach einem Brand 1546 wurde das Nonnenkloster aufgelöst, Niedermünster dagegen bestand noch hundert Jahre länger, bevor es im Dreißigjährigen Krieg endgültig verwüstet wurde. Das Grab von Odilia war danach in der Obhut von Prämonstratensermönchen, die den Odilienberg zu einem sehr bekannten Wallfahrtsort – besonders für Menschen mit Augenkrankheiten – machten. Nach der Revolution von 1789 wurde das Kloster säkularisiert, 1853 aber aus Privatbesitz zurückgekauft und dem Bischof von Straßburg geschenkt. Heute ist es ein Hotel.
Reliquien von Odilia werden in Prag, Lissabon, Verona und Corbie (Nordfrankreich) verehrt. Der Odilienberg ist der »heilige Berg des Elsass«. Zu Odilias Grab pilgern jedes Jahr an die zwei Millionen Menschen. Die Quelle dort soll bei Augenleiden heilend wirken.
In Bayern gibt es heute noch die einzige Männerkongregation, die sich der Odilia geweiht hat, die Benediktinerabtei St. Ottilien (zwischen Augsburg und München). Sie ist eine wichtige Stätte des interreligiösen Dialogs, vor allem zwischen Christentum und Buddhismus.
Darstellung: als Äbtissin in weißem Habit; auch zusammen mit ihrem Vater, Herzog Attich, den sie durch ihr Gebet aus dem Fegefeuer erlöste
Attribute: Krone (fürstliche Abstammung), Stab, Kelch (Legende ihrer letzten Heiligen Kommunion), Buch mit zwei Augen (sie soll blind zur Welt gekommen sein und bei der Taufe durch den Missionsbischof Erhard von Regensburg das Augenlicht erhalten haben) oder Hahn (anstatt der Augen, eventuell Bezug nehmend auf den Künder des Tageslichtes)

Quelle: Herder-Verlag
