Unsere Hl. Kreuz Kirche wurde vor 13 Jahren wunderbar renoviert und ist bekannt als ein Juwel Voralberger Baukunst, weit über den Ortenaukreis hinaus. Und doch wurde bei dieser Renovation das eigentlich Wichtigste, die Neugestaltung des Altarraumes nicht berücksichtigt. Seit Jahrzehnten wird das höchste Geheimnis unseres Glaubens auf einem Provisorium – dem sog. Schiebealtar – gefeiert; einem Holzquader, marmoriert bemalt, den barocken Formen der vorhandenen Altäre nachempfunden. Er steht auf Möbelrollen und kann beliebig verschoben werden. Auch derAmbo ist noch immer ein Provisorium in der Art eines verstellbaren Notenständers geschaffen mit dem
Symbol der Heilig-Geist-Taube. Nun hat es sich der Pfarrgemeinderat zur Aufgabe gestellt, eine würdige Neugestaltung des Altarraumes in Angriff zu nehmen, was jedoch Zeit und sachkundige Beratung vonseiten des Erzbischöflichen Bauamtes braucht. Wie wichtig Altar und Ambo für unseren Glauben und die Feier der Eucharistie sind, sollen Gedanken aus dem Artikel von Domkapitular i. R. Hermann Ritter aufzeigen.
Der liturgietheologische Zusammenhang „Altar und Ambo im Kirchenraum“
Seit es Christen gibt, gehört die Versammlung der Gemeinde zur Mitte des Glaubensvollzugs. Das völlig Neue bei der Versammlung der Christengemeinde – im Gegensatz zur jüdischen Urgemeinde – ist die Erfüllung des Auftrags, den der Herr ihr selbst gegeben hat: seine Lebenshingabe für uns und seine wirkliche Gegenwart in den Zeichen von Brot und Wein zu feiern. „Jesus nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: „das ist mein Leib für euch. Tut dies zum meinem Gedächtnis!
Der Altar:
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zum einem Gedächtnis“ Um diesen Auftrag ihres Herrn wusste die junge Christengemeinde und feierte den Auftrag und das Gedenken ihres Herrn im „ Brotbrechen“ oder in der „Feier des Herrenmahles“, wie die Feier der Eucharistie in frühchristlicher Zeit genannt wurde. Der Ort der Versammlung war ein Raum im Haus des Gastgebers; ein schlichter Holztisch, die „mensa“ war die Stelle der Aufnahme der Gaben Brot und Wein in dafür geeigneten Gefäßen. In den ersten drei Jahrhunderten des Christentums war es wegen der zahlreichen Verfolgungen gar nicht möglich, eigene Versammlungsorte für eine größere Gemeinde zu
bauen. Das wurde nach der Konstantinischen Wende zu Beginn des 4. Jahrhunderts anders. Jetzt entstanden mit den ersten Kirchenbauten auch in entsprechender Weise die Altäre. Wie der Standort, war auch die Form des Altars unterschiedlich. Immer aber bewahrt er die Grundgestalt der Mensa, des Tisches. Dabei wurde die steinerne Tischplatte von einer oder mehreren Säulen getragen, oder auch durch einen aus Steinquadern zusammengefügten Unterbau. Sehr früh gab es Altäre, die aus einem einzigen Steinblock gehauen waren. Es sollte darauf nur das Gefäß zur Konsekration der Hostien und der Kelch Platz finden, vielleicht noch der liturgische Text für die Feier der Eucharistie. Kerzen brannten auf Standleuchten zur Seite des Altars. Einen großen Einschnitt für die Feier der Liturgie und die damit verbundene räumliche Neugestaltung brachte das zweite Vatikanische Konzil. Die Liturgiekonstitution legte das Fundament für wesentliche Neuordnungen. Für den Altar ist darin festgelegt: „Er soll von der Rückwand getrennt errichtet werden, sodass man ihn leicht umschreiten und an ihm zum Volk gewandt zelebrieren kann. Es soll so in den heiligen Raumhineingestellt werden, dass er wirklich die Mitte ist, der sich von selbst die Aufmerksamkeit der ganzenversammelten Gemeindezuwendet. Die künstlerische Gestalt soll seiner Bedeutung gemäß sein.“ Bei einer neuen Altarraumgestaltung geht es also nicht um irgendeine Maßnahme, sondern hier weiß man sich in der Verantwortung für das durch die Jahrhunderte hindurch bewahrte und der Gegenwart anvertraute Glaubens-und Kulturzeugnis. Hier kommen unterschiedliche Motivationen zur Sprache, ob aus der Kunstgeschichte, der Liturgie, der persönlichen Frömmigkeitspraxis oder der architektonischen Relevanz. Der Ambo:
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil wussten fast nur Liturgiewissenschaftler und Kunsthistoriker mit dem Ausdruck „Ambo“ etwas anzufangen und damit einen Ort in der Feier der Liturgie zu benennen. Natürlich gab es auch bis dahin einen Ort der Verkündigung: die Kanzel. Die Kanzelreden, von oben herab, waren weitgehend aus der Unmittelbarkeit des liturgischen Geschehens herausgelöst. Man kann sich dies heute kaum noch vorstellen. Die Liturgiereform des 2. Vatikanums hat den Ambo als notwendigen Ort der Verkündigung wieder belebt und als nötig gekennzeichnet. So werden Lösungen gesucht, die dem hohen Anspruch der Liturgie gerecht werden können. Es ist schon selbstverständlich geworden, von den „zwei Tischen“ in der Feier der Liturgie zu sprechen, vom Tisch des Wortes (Ambo) und dem Tisch des Mahles (Altar).
Pfr. Matthias Bürkle
" Seit dem Titularfest Kreuzerhöhung am 12. September 2010 und der Altarweihe durch Weihbischof Rainer Klug steht uns der neue Altar und der neue Ambo in der Feier der Eucharistie und der Verkündigung des Wortes Gottes zur Verfügung.
(Gesamtbild von Altar und Ambo)
Beide wurden vom Furtwanger Künstler Wolfgang Eckert geschaffen.
Der Altar beherbergt in seinem Inneren ein liegendes Kreuz, das aus Zedernholz aus Palästina gefertigt wurde. Pfarrer Bürkle hat dazu persönlich das Holz in Bethlehem gekauft und nach Deutschland verschicken lassen.
Für Interessierte Kirchen- und Gottesdienstbesucher liegt ein Faltblatt zur Erklärung in der Kirche aus.